Die Harfe
 
 

Die Harfe

Ein Mensch, der Harfe ganz gezielt
zu anderer Erbauung spielt

erreicht, das er mit seinen Stücken
so manches Herz kann froh beglücken.
Auch kann er, dies lässt sich belegen
Gemüht beruhigen und - erregen.
und durch die Schönheit seiner Töne
Geist und Verstand gezielt verwöhne.
Drum fühle, Mensch und spür den Reiz
sei dir bewusst, dass hier kein Geiz
Applaus zu sparen angebracht
und klatsche, manchmal laut, mal sacht.
Fürwahr ein edles Instrument
sagt jeder, der die Harfe kennt.


Rolf D. Lüpertz, Neuss 20.04.2005

 
 

Ob die antiken Harfen zuerst in Ägypten oder Sumer auftraten, läßt sich nicht mehr rekonstruieren. Man nimmt aber an, daß die erste Harfen im alten Ägypten ca. 2700 v. Chr. aufgetaucht ist, wo sie als Bogenharfe mit sechs - sieben Saiten verwendet wurde. Die Formen und Größen der antiken Harfe sind durch viele Zeichnungen überliefert worden. Sie ist fünf- bis sechzehnsaitig und bogenförmig oder dreieckig. Die Größe bewegt sich zwischen unterarmgroß und mannshoch, ihr Resonanzkörper befindet ist meistens an der Seite, die zum Boden gerichtet ist.

Es gibt viele Harfenarten: Sambyke, Trigonon, Psalterion, Magadis, Nablium u.a., aber sie sind nur fragmentarisch beschrieben und nur in poetischen Werken erwähnt, daher kann man von vielen Harfenarten nichts mit Sicherheit sagen. Ab 1580 v.Chr. gab es Winkelharfen und kleine Schulterharfen mit 14 Saiten.
Die Harfe wurde vorwiegend von Männern gespielt, aber in der Antike wurde sie als verweichlichend verpönt und wurde meistens von Frauen bei Trinkgelagen und erotischen Spielen gespielt.

Das einzige Instrument, auf dem eine Oktave spielbar war, war die Magadis. Von der Magadis leitet Aristoteles das Singen im Oktavabstand ab.

Nach Westeuropa war die Harfe durch die Völkerwanderung gebracht worden. Man nimmt an, von den Normannen bzw. Wikingern und den Angelsachsen. Vielleicht auch hatten syrische Mönche, die Irland missioniert haben, dem Westen dieses neue Kulturgut gebracht. Die Harfe war im Mittelalter sehr angesehen, so dass sie sogar in das irische Landeswappen aufgenommen wurde.
 
In Mitteleuropa findet man sie erst wieder um 800 im Utrechter Psalmarum. Das Instrument hat sich inzwischen geändert: es hat einen mehr oder weniger breiten Resonanzkörper, ist dem Spieler zugewandt, und hat einen Stamm. Der Tonum-fang weist bis zu drei Oktaven auf, der von der Größe des Corpus abhängig ist. Im 11. Jahrhundert (Mittelalter) hatte sie zwischen 7 und 25 Saiten.

Die ersten chromatischen Harfen tauchten im 16. Jahrhundert auf. Die Tiroler Hakenharfe, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geschaffen wurde, war die erste Harfe, die man durch drehbare Haken von Hand umstimmen konnte. Im Jahre 1720 hat J. Hochbrucker sieben Pedale erfunden und damit beide Hände der Spielenden entlastet, denn die Pedale erlauben das Umstimmen während des Spielens.
In der heutigen Musikwelt wird sie sowohl als Soloinstrument oder Ensemble-instrument als auch im Orchester verwendet. Sie ist zur Gesangsbe-gleitung gut geeignet. Sie wird noch immer reich (in Gold) verziert und in reiner Handarbeit hergestellt.

 
Die älteste Harfe könnte sich aus einem Jagdbogen entwickelt haben, denn jeder Mensch, der den Bogen zum Jagen kennt, kann diesen zu einem Saiteninstrument entwickeln. Tatsächlich kennen Kulturen ohne Pfeil und Bogen auch die Harfe oder andere Saiteninstrumente nicht.
 

Die Harfe ist das Instrument des biblischen Königs David: David get der mit der Harfe zu Saul und spielt zarte Melodien, weil dieser von einem bösen Geist gequält wird. Sie ist durch die Jahrtausende immer von einem merkwürdigen Schimmer von Transzendenz begleitet worden: ihr Klang wurde als Magie göttlicher, dämonischer, natürlicher und übernatürlicher Mächte gedeutet.

Und noch im 19. Jahrhundert ist der Kunstliebhaber der Meinung, daß rauschende Harfenklänge das Böse vernichten und die Menschen von Sorgen und Ängsten erlösen können.
Sie ist auf jeden Fall eines der ältesten Instrumente, die sich bis in unsere Zeit erhalten haben. Vielleicht hat die lange Lebenszeit die Bindung an Magie und Transzendenz bewirkt.

Die profane Musik des Mittelalters benutzte die Harfe gerne, kein Barde oder Troubadour ist ohne dieses Instrument denkbar.
 
Das Wort harpa, harfe, hearp etc. taucht zum ersten Mal in den Sagenbüchern der nordisch-skandinavischen Völker auf, in der Norse Saga, der Volsunga Saga und v.a . im Beowulf. Und auch hier ist der Harfenklang ein Schutzschild gegen böse Mächte.
 

In der christlichen Rezeption des Mittelalters ist die Harfe ein rein göttliches Instrument, wo die Harfe zum Lob Gottes gebraucht wird, und in der Geschichte von David und König Saul ist David mit der Harfe das Symbol der Unschuld, und Saul mit Speer und Schwert das Symbol des schlechten Herrschers.

Auch Tiere an der Harfe spielen in der mittelalterlichen Symbolik eine große Rolle. Bekannt sind Esel, Affen und Löwen. Jedes Tier hat seine eigene Bedeutung: der Esel hört zwar Gottes Wort, geht aber stur seinen eigenen Weg und verfehlt damit das Ziel; der Affe ist das Sinnbild des Unmündigen, den Gott sich zum Lob eingesetzt hat, und der Löwe ist der König aus Juda, der Israel das Heil bringt.

 

Anders als die Orgel hat sich die Harfe nach dem Mittelalter nicht bei christlichen Feierlichkeiten erhalten, sondern ist fast ausschließlich in den profanen Bereich zurückgekehrt. Sie wurde als Hakenharfe und schließlich als Doppelpedalharfe gebaut, die beide für das chromatische Spielen unbedingt nötig waren. Die Harfe wurde das Instrument für die Dekadenz, Ausschweifung und Weichheit, das aber zusätzlich auch magische und götterbeschwörende Bedeutung hat.

Und noch eine wesentliche Änderung hat stattgefunden: Bis ins Mittelalter hinein war die Harfe das Instrument des Mannes, abgesehen von der griechischen Harfe, aber jetzt spielten Frauen darauf. Auch im 20. Jahrhundert hat sich daran nichts geändert.